Eine Entscheidung für oder gegen das Laufen im Regen
Es regnet wieder stärker, und ich überlege, ob ich trotzdem rüber zum Sportplatz und meine Runden laufen soll oder das Wetter als Ausrede benutze, um etwas, das ich tun sollte, nicht zu tun (Undiszipliniertheit, selbst im Kleinen, ist so verlockend wie eine zweite Tasse Kaffee).
Das ist noch eine Frage, auf die der PISA-Test keine Anwort verlangt. Dabei scheint es mir eine echte Herausforderung an das Leben heute zu sein, solche Entscheidungen intelligent zu treffen. Mit was für einer Intelligenz? Des Genießens. Der Selbstbestimmung dessen, was am Leben nicht allgemein notwendig ist (d.h., in einem eigentlich sehr klaren Sinne, der Freiheit). Des Handelns so, wie es beim 茶道 in den Blick kommt: jede Kleinigkeit eines gewissen begrenzten Zusammenhangs kann, ja sollte Gegenstand einer Aufmerksamkeit werden, die es gestattet, über das Ob, das Wie, das Womit und das Umwessen eine gute Entscheidung zu treffen.
Auf der Kunsttriennale in Yokohama im Oktober war die erste Arbeit, die wir uns angeschaut haben, die Installation einer amerikanischen Künstlerin, deren Namen ich vergessen habe: ein enger Korridor, durch den eben ein einzelner Mensch hindurchgehen konnte, vollgehängt mit Tafeln, die auf der uns zugewandten Seite in Englisch, auf der anderen in Japanisch beschriftet waren (am anderen Ende wurden nur Japaner hereingelassen, an unserm nur Nichtjapaner).
Eine dieser Tafeln hing genau in der Mitte des Korridors. Man musste sich links oder rechts dran vorbeizwängen. Und auf der Tafel stand: Rechts oder links? Die Entscheidung, auf welcher Seite Sie vorbeigehen, wird Ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen. Und Sie wissen nicht wie. Aber Ihr Leben wird ein anderes sein, je nachdem, welchen Weg Sie wählen.
Ich mochte die leichte Boshaftigkeit dieser Arbeit sehr.
Ich habe auch vergessen, auf welcher Seite ich vorbeigegangen bin.
Aber dank dieses Tagebuchs werde ich mich daran erinnern, ob ich heute gelaufen bin oder nicht. Auch wenn ich es jetzt, zu dem Zeitpunkt, da ich dies schreibe, noch nicht definitiv entschieden habe und also nicht aufschreiben kann.
Ich glaube, ich werde laufen. Aber sicher ist es noch nicht (wie könnte es das).
Und wie lange wird dieses Tagebuch seine Aufgabe erfüllen, mich zumindest an diese eine nebensächliche Entscheidung meines Lebens zu erinnern?
Das ist noch eine Frage, auf die der PISA-Test keine Anwort verlangt. Dabei scheint es mir eine echte Herausforderung an das Leben heute zu sein, solche Entscheidungen intelligent zu treffen. Mit was für einer Intelligenz? Des Genießens. Der Selbstbestimmung dessen, was am Leben nicht allgemein notwendig ist (d.h., in einem eigentlich sehr klaren Sinne, der Freiheit). Des Handelns so, wie es beim 茶道 in den Blick kommt: jede Kleinigkeit eines gewissen begrenzten Zusammenhangs kann, ja sollte Gegenstand einer Aufmerksamkeit werden, die es gestattet, über das Ob, das Wie, das Womit und das Umwessen eine gute Entscheidung zu treffen.
Auf der Kunsttriennale in Yokohama im Oktober war die erste Arbeit, die wir uns angeschaut haben, die Installation einer amerikanischen Künstlerin, deren Namen ich vergessen habe: ein enger Korridor, durch den eben ein einzelner Mensch hindurchgehen konnte, vollgehängt mit Tafeln, die auf der uns zugewandten Seite in Englisch, auf der anderen in Japanisch beschriftet waren (am anderen Ende wurden nur Japaner hereingelassen, an unserm nur Nichtjapaner).
Eine dieser Tafeln hing genau in der Mitte des Korridors. Man musste sich links oder rechts dran vorbeizwängen. Und auf der Tafel stand: Rechts oder links? Die Entscheidung, auf welcher Seite Sie vorbeigehen, wird Ihr gesamtes weiteres Leben beeinflussen. Und Sie wissen nicht wie. Aber Ihr Leben wird ein anderes sein, je nachdem, welchen Weg Sie wählen.
Ich mochte die leichte Boshaftigkeit dieser Arbeit sehr.
Ich habe auch vergessen, auf welcher Seite ich vorbeigegangen bin.
Aber dank dieses Tagebuchs werde ich mich daran erinnern, ob ich heute gelaufen bin oder nicht. Auch wenn ich es jetzt, zu dem Zeitpunkt, da ich dies schreibe, noch nicht definitiv entschieden habe und also nicht aufschreiben kann.
Ich glaube, ich werde laufen. Aber sicher ist es noch nicht (wie könnte es das).
Und wie lange wird dieses Tagebuch seine Aufgabe erfüllen, mich zumindest an diese eine nebensächliche Entscheidung meines Lebens zu erinnern?
wernurwer - 19. Nov, 14:50
