Ein Kind haben
Nach längerer Zeit H. getroffen. Sie hat fünf oder sechs Freundinnen aufgezählt, die zurzeit schwanger sind. Und das verhärtete Gesicht imitiert, das sie bei ihrem Partner beobachten musste, als er einer von denen begegnete.
H. bekräftigt, sie sei hundertprozentig sicher, dass sie kein Kind will. Ich wollte, ich wäre mir in der spiegelverkehrten Situation mit R. ebenso sicher.
Der Unterschied ist wahrscheinlich auch, dass H. ihren Freund verzichtbarer findet als ich R. Seine Enttäuschung schmerzt sie, aber so, als hätte er ein körperliches Leiden, mit dem sie nur als Zeugin und Begleiterin zu tun hat. Ich dagegen würde mich wohl ein Leben lang persönlich für R.'s Unglück verantwortlich fühlen.
Aber die "einfache Wahrheit", dass wir "nicht zusammenpassen", dass unsere "Vorstellungen vom Leben" zu verschieden sind - das kommt mir vor wie eine unzulässig banalisierende Interpretation, wie wenn man die Handlung eines Romans von Musil in den Kategorien wiedergibt, die Zeitschriften verwenden, um von "Männnern" und "Frauen" zu sprechen. (Wobei man sich heute zweifellos lächerlich macht, wenn man das eigene Leben für einen Roman von Musil hält.)
Was mich am meisten ärgert an dieser Lebensentscheidung mit dem Titel Ein Kind haben ist, dass es nur das Ja und das Nein zu geben scheint. Alles andere, das Wie des Entscheidens und des Entschiedenen, die Bedeutung, die vielen widersprüchlichen Gefühle dabei, werden restlos in dem Ja oder dem Nein verschwinden. Es ist nicht wie beim Heiraten, wo man bis zum Ende immer wieder Zeit hat, allein oder gemeinsam zu bestimmen, was das heißt: verheiratet sein. Beides, das Ja ebenso wie das Nein, ziehen im Falle des Kindes, das sie zur Folge haben oder blockieren, eine Gleichgültigkeit um sich zusammen: eine eisige beim Nein; eine dümmliche beim Ja.
Und mein Herz ist voll von kleinlichen Erwägungen, welcher Verlust von Bestimmungsmacht über das, was unser Leben werden sollte, der etwas geringere oder eher verschmerzbare wäre. Und welche Arbeit, es R. nicht zu verübeln, dass sie mich in die Rolle des feigen Berechnenden zwingt! (Sie hat ein Recht, diese Entscheidung von mir zu verlangen. Ja, aber mein Dasein bislang ist ein einziger Aufstand gegen die Ordnung, die ihr dieses Recht verleiht.)
Sie will am liebsten zwei. Kein Einzelkind wie mich.
H. bekräftigt, sie sei hundertprozentig sicher, dass sie kein Kind will. Ich wollte, ich wäre mir in der spiegelverkehrten Situation mit R. ebenso sicher.
Der Unterschied ist wahrscheinlich auch, dass H. ihren Freund verzichtbarer findet als ich R. Seine Enttäuschung schmerzt sie, aber so, als hätte er ein körperliches Leiden, mit dem sie nur als Zeugin und Begleiterin zu tun hat. Ich dagegen würde mich wohl ein Leben lang persönlich für R.'s Unglück verantwortlich fühlen.
Aber die "einfache Wahrheit", dass wir "nicht zusammenpassen", dass unsere "Vorstellungen vom Leben" zu verschieden sind - das kommt mir vor wie eine unzulässig banalisierende Interpretation, wie wenn man die Handlung eines Romans von Musil in den Kategorien wiedergibt, die Zeitschriften verwenden, um von "Männnern" und "Frauen" zu sprechen. (Wobei man sich heute zweifellos lächerlich macht, wenn man das eigene Leben für einen Roman von Musil hält.)
Was mich am meisten ärgert an dieser Lebensentscheidung mit dem Titel Ein Kind haben ist, dass es nur das Ja und das Nein zu geben scheint. Alles andere, das Wie des Entscheidens und des Entschiedenen, die Bedeutung, die vielen widersprüchlichen Gefühle dabei, werden restlos in dem Ja oder dem Nein verschwinden. Es ist nicht wie beim Heiraten, wo man bis zum Ende immer wieder Zeit hat, allein oder gemeinsam zu bestimmen, was das heißt: verheiratet sein. Beides, das Ja ebenso wie das Nein, ziehen im Falle des Kindes, das sie zur Folge haben oder blockieren, eine Gleichgültigkeit um sich zusammen: eine eisige beim Nein; eine dümmliche beim Ja.
Und mein Herz ist voll von kleinlichen Erwägungen, welcher Verlust von Bestimmungsmacht über das, was unser Leben werden sollte, der etwas geringere oder eher verschmerzbare wäre. Und welche Arbeit, es R. nicht zu verübeln, dass sie mich in die Rolle des feigen Berechnenden zwingt! (Sie hat ein Recht, diese Entscheidung von mir zu verlangen. Ja, aber mein Dasein bislang ist ein einziger Aufstand gegen die Ordnung, die ihr dieses Recht verleiht.)
Sie will am liebsten zwei. Kein Einzelkind wie mich.
wernurwer - 20. Nov, 22:46
