1
Dez
2008

Wozu Mädchen bereit sind (Verrechnungen)

In meiner Jugend gehörte die Frage, wozu Mädchen bereit sind, zu einem Diskurs, der fast ausschließlich phantasmatischen Charakter hatte und in dem die wenigen echten Informationen umso phantastischer flackerten. Auf einer Schulparty fragten zwei besoffene Jungs meine Freundin beim Vorbeigehen, ob sie ihn in den Mund nehme und es schlucke. Und als sie, ebenfalls schon ziemlich breit, "Natürlich!" rief, bestand die Reaktion in fassungslos aufgesperrten Mäulern, und in den großen Pausen der folgende Woche trafen mich neidische Blicke von Leuten, die ich kaum kannte.

Ich habe die prahlerischen Männergespräche darüber, wozu wer Frauen wie gebracht hatte, nie gemocht (und sie waren mir meist zu peinlich, um ihre homoerotische Spannung zu genießen). Aber wenn sie sich irgendwie leichthin abtun ließen, dann weil man davon ausgehen konnte, dass das Geredete mit dem Erlebten nichts zu tun hatte. Der Umstand, dass das eine oder andere doch stimmen mochte, wirkte wie ein kleiner Stachel - aber die Unsicherheit, die damit entstand, stachelte eben nur die Phantasie an und verhärtete sich niemals zu einem Wissen.

Seiten wie Xtube oder Redtube tragen nun heute dazu bei, dass ein solches Wissen entsteht: empirisch positiv, wie nur je ein Sozialwissenschaftler es sich wünschen könnte. Die Bereitschaft von Freundinnen, Dinge zu tun, ist in diesen pornografischen Archiven der Gegenwart objektiviert - und die harte Objektivität, mit der einem dieses ehemals rein Imaginäre, nur als Projektion eines hysterischen männlichen Begehrens Existierende entgegentritt, ist das eigentlich Schockierende und bisweilen das Aufregendste an ihnen.

Ich erwische mich, wenn ich so etwas gucke (wie heute Mittag), dabei, wie ich unwillkürlich Verrechnungen anstelle: Sie bläst ihren Freund, während er mit dem Auto durch die Stadt fährt...hat aber ein etwas dickliches Gesicht. Sie lässt sich auf einer Party in einem Nebenraum ficken, in den ab und zu mal jemand reinguckt...aber ihre Stimme klingt etwas dümmlich, und sie übertreibt schauspielerisch, als sie merkt, dass sie gefilmt wird. Plus gegen Minus. Und natürlich ist R. das Vergleichsobjekt.
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