15
Dez
2008

Die Pornos von heute

Ich sollte eigentlich einen Teil dieser Tagebucheinträge damit bestreiten anzugeben, was für Pornos ich in meiner "Mittagspause" geguckt habe. Für manche Tage scheint mir das das einzige Unterscheidungskriterium zu sein, das einen Aussagewert besitzt. Zu Anfang wäre zu verzeichnen:

Habil: kleinen bis mittleren Schritt weitergekommen (nicht unzufrieden).

Und dann:

http://www.cam4.com/circus19 - zwei italienische Jungs, die sich auf der Seite als "hetero" eingetragen haben und heute während des (offenbar nicht besonders intensiv beaufsichtigten) Schulunterrichts vor einem Rechner mit Webcam hockten. Feixend und hibbelnd amüsierten sie sich über die Flut von Messages, die da in vielen Sprachen hereinströmten und sie dazu aufforderten, die T-Shirts auszuziehen, ihre Schwänze rauszuholen, sich zu küssen. Insbesondere der Linke, ein schlaksiger Blondschopf mit Basecap, war das Lieblingsobjekt der Kommentatoren, während sein Freund, der das Tippen übernahm und die treibende Kraft der Aktion schien, sich wegen seiner dicken schwarzen Augenbrauen als "Italian Beavis" bezeichnen lassen musste (eine Anspielung, die er vermutlich schon historisch nicht verstand).

Die beiden sonnten sich im Strom des Begehrens, ohne allzusehr auf die Forderungen einzugehen. Der Blonde stand zwischendurch auf und hob kurz sein sehr weites und sehr rotes T-Shirt, um ein paar mäßig interessante Teenagerbauchmuskeln zu entblößen (weder trainiert noch wahrnehmbar zart). Statt des Kusses gab es bloß die schwache Andeutung einer Umarmung - nicht einmal berühren mochten sie sich.

Eigentlich also keine Pornographie (sonst wäre der Administrator der Seite vermutlich rasch eingeschritten). Aber natürlich liegt nicht nur die Schönheit, sondern auch das Pornographische im Auge des Betrachters. Der Körper des Blonden, der sich unaufhörlich bewegte, dessen Finger imaginäre Strähnen aus dem Gesicht strichen, das Kinn kratzten, etwas an der Kleidung oder den Schirm der Mütze zurechtzupften, explodierte geradezu vor unfreiwilligen Zeichen. Und das Unfreiwillige war durch die Situation selbst als das Erotische codiert, denn was die beiden deutlich sichtbar nicht wollten und doch nicht vollends zurückhalten konnten, war Sex.

http://grou.ps/sexyyoung/videos/7767 - ein Video mit dem Titel "Outdoor love", auf dessen Still man nicht viel erkennen konnte außer zwei Silhouetten im Grünen und das ich im Grunde nur wegen dieses Titels (und weil man nichts Genaues, d.h. nichts Enttäuschendes darauf erkennen konnte) angeklickt habe: Ziemlich regelmäßig falle ich auf das Wort "love" im Zusammenhang mit Pornos herein. Obwohl mir klar ist, dass nichts dergleichen mich erwartet, hat das Wort eine Signalwirkung, der ich mich schwer entziehen kann oder möchte. Die bloße Idee eines sozusagen akzidentellen katastrophalen Crashs, bei dem die Ordnung des pornographischen Sex und die der Liebe sich auch nur für den Bruchteil einer Sekunde ineinander verkeilen, reicht, um es wider besseres Wissen immer wieder zu versuchen. In diesem Fall für 3 Sekunden - dann sind die beiden "Boys" als leicht untersetzte osteuropäische Herren in den späten 20ern enttarnt, die sich neben zwei auf dem Rasen ausgebreiteten Badelaken kraftvoll die Zunge in den Mund schieben.

http://pissing-shitting-farting.ning.com/video/girl-wetting-while-sleeping - Pornos von Schlafenden sind selten überzeugend. Sowieso lässt Schlafen sich schwierig spielen, und bei Laiendarstellern sieht es meistens nach sehr angespanntem Nichtreagieren aus. Dieses Video ist auch keine Ausnahme. Aber ich mag den Hauch eines Lächelns auf dem Gesicht der sich schlafend stellenden Frau (die voll geschminkt ist und Schmuck im Haar hat - um wie viel man Pornos verbessern könnte, wenn nur jemand ein bisschen auf die Details achtgäbe!). Und den überflüssigen Typen, der sich neben ihr auf die Seite gedreht hat (bei der gnadenlosen Sparsamkeit der Billigproduktionen erscheint mir das geringste Zeichen von Verschwendung wie ein großes Geschenk). Außerdem finde ich beim Pinkeln das "es laufen lassen" geil, der Verlust oder die Aufgabe der Körperkontrolle (der Zivilisation). Pinkeln, das "dirty" aussehen soll, wirkt im Film dagegen gewöhnlich albern, weil der Geruch/Geschmack fehlt und diese eigenartige Wärme des Urins, die zärtlich, aber auch eklig sein kann.

Das waren 3 von 30 oder so - mehr auf ein Mal zu beschreiben wird mir sicher niemals gelingen.
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