Die Welt der Bedeutungen und die Welt der Informationen
Als er längere Zeit bei seiner Mutter verbringt, um sie zu pflegen, stellt Barthes fest, dass er in Paris in einer Welt aus Bedeutungen lebt, während der Alltag im Dorf ihn mit nichts als Informationen bombardiert. Die Dinge meinen dort, was sie meinen - es gibt für den Außenseiter praktisch keine Chance, in die Gespräche überhaupt hineinzugelangen, da er gewohnheitsmäßig nach einer Leere oder einem Überschuss von Bedeutung sucht, um einhaken und mit seinem eigenen leicht unverhältnismäßigen Sprechen (Ironie, Zärtlichkeit, spielerische Kritik, arabeske, ins Unendliche offene Fragen...) einsetzen zu können.
Genauso geht es mir in den seltenen Fällen, wo ich bei einem Jubiläum oder einer Beerdigung mit den Angehörigen meiner Familie an einem Tisch sitze (die ich "die Familie meiner Mutter" nenne - von der meines Vaters sind alle gestorben oder verschollen). Meine Onkel und Cousins haben Häuser gebaut oder Wohnungen mit eigener Hand renoviert, die Tanten und Cousinen Gärten angelegt und Haustiere gehalten. Außerdem sind alle Eltern. Ihre Gespräche drehen sich um Themen, die mit Baumärkten, Saat- und Erntezeiten, Kinderbetreuung und Schulen zu tun haben. Und natürlich um Krankheiten, denn die Hinfälligkeit des Körpers hat für ihr Sprechen diese doppelte Funktion: sie zu bekräftigen ist ein Signal der Gemeinschaft ("es trifft uns alle - wir können uns glücklich schätzen, diesmal noch relativ glimpflich davon gekommen zu sein..."); und es ist zugleich eine Selbstentwertung der Rede dadurch, dass immer der Körper das letzte Wort behält (und zwar der ordinäre, inartikulierte Körper, dessen Wahrheit der Krebs ist).
Ich sitze meistens stumm dazwischen und höre zu, so gut es geht. Selten kommt es vor, dass einer der Verwandten mich etwas fragt, aber im Grunde wollen sie nichts von mir wissen, was keine Unfreundlichkeit ist, sondern einfach auf das Fehlen der Art von Fragen zurückzuführen, auf die mein Leben eine Antwort geben könnte. Wenn R. dabei ist, verschwindet sie in derselben Fraglosigkeit, denn nicht einmal für das Exotische ist in dieser dicht an dicht gefügten Wirklichkeit des Miteinanderredens Platz. Und dabei wäre sie ein Familienmensch, der mit großem Spaß an den Gesprächen teilnehmen könnte.
Genauso geht es mir in den seltenen Fällen, wo ich bei einem Jubiläum oder einer Beerdigung mit den Angehörigen meiner Familie an einem Tisch sitze (die ich "die Familie meiner Mutter" nenne - von der meines Vaters sind alle gestorben oder verschollen). Meine Onkel und Cousins haben Häuser gebaut oder Wohnungen mit eigener Hand renoviert, die Tanten und Cousinen Gärten angelegt und Haustiere gehalten. Außerdem sind alle Eltern. Ihre Gespräche drehen sich um Themen, die mit Baumärkten, Saat- und Erntezeiten, Kinderbetreuung und Schulen zu tun haben. Und natürlich um Krankheiten, denn die Hinfälligkeit des Körpers hat für ihr Sprechen diese doppelte Funktion: sie zu bekräftigen ist ein Signal der Gemeinschaft ("es trifft uns alle - wir können uns glücklich schätzen, diesmal noch relativ glimpflich davon gekommen zu sein..."); und es ist zugleich eine Selbstentwertung der Rede dadurch, dass immer der Körper das letzte Wort behält (und zwar der ordinäre, inartikulierte Körper, dessen Wahrheit der Krebs ist).
Ich sitze meistens stumm dazwischen und höre zu, so gut es geht. Selten kommt es vor, dass einer der Verwandten mich etwas fragt, aber im Grunde wollen sie nichts von mir wissen, was keine Unfreundlichkeit ist, sondern einfach auf das Fehlen der Art von Fragen zurückzuführen, auf die mein Leben eine Antwort geben könnte. Wenn R. dabei ist, verschwindet sie in derselben Fraglosigkeit, denn nicht einmal für das Exotische ist in dieser dicht an dicht gefügten Wirklichkeit des Miteinanderredens Platz. Und dabei wäre sie ein Familienmensch, der mit großem Spaß an den Gesprächen teilnehmen könnte.
wernurwer - 11. Nov, 11:24
