Ein einfacher Traum vom Sterben
Traum:
Ich komme in die Küche, wo Eva am Tisch sitzt, aber es wird oder ist stockdunkel. Ich frage sie, was mit dem Licht ist, warum es nicht angeht, und sie antwortet irgendwas, aber mir ist klar: dieses Dunkel ist endgültig.
Ich wache mit schnell klopfendem Herzen und Angst auf.
Details und Assoziationen aus der Phase unmittelbar nach dem Traum:
Die Küche ist nicht unsere Berliner Küche, in der ich meine Mitbewohnerin Eva für gewöhnlich antreffe, sondern die des Hauses meiner Mutter. Obwohl es im Traum dunkel ist, spüre ich das deutlich an der Enge des Raumes (die Küche hier ist sehr groß) und dem Ort ihrer Stimme: während ich in der Flurtür stehe, kommt Evas Stimme vom entfernten Ende des niedrigen Tisches - dem Platz meines (toten) Vaters.
In die Kette der Toten gehört auch Evas Mutter, die vor kurzem erst gestorben ist (Evas letzter Besuch hier hatte mit der Beerdigung zu tun).
Eine zunächst sonderbare, aber sehr schnelle und mächtige Assoziation: Marx' Thesen über Feuerbach.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir ein, dass ich im Fernsehen gestern etwas über Marx gehört habe (ein dummer Scherz: der Finanzminister würde wieder Marx lesen usw.). Aber noch gestern Nacht sagte ich mir im halbwachen Zustand: Nein, nicht FeuerBACH, sondern FeuerSTEIN.
Auch das schien kaum Sinn zu ergeben. Als ich weiter darüber nachdachte, fiel mir dann jedoch ein, dass jemand namens Feuerstein das FAKTOTUM von Harald Schmidt war.
Analyse?
Alles weist so klar und umstandlos auf den Tod hin, dass diese mehrfachcodierte Klarheit mir dadurch um so beängstigender erscheint. Auch das einzige etwas rätselhafte Detail ist wohl in diesem Sinne zu verstehen: Die Marx-Assoziation, die mit dem Trauminhalt ohnehin in keiner erkennbaren Beziehung steht, ist nur die Brücke zu dem Wort Faktotum, was als FakTOTum und FAKTotum wiederum die Botschaft enthält.
Der Anlass für den Traum war sicher zum einen physiologisch: Infolge der (Magen-, Darm- und wasweißichnoch-)Infektion, die mich zurzeit weitgehend außer Gefecht setzt, stellte sich in der vergangenen Nacht der beschleunigte Herzschlag wieder ein, der schon früher bei mir festgestellt worden ist und zu dem den Ärzten nichts Rechtes einfällt. Ich konnte danach nur noch in kurzen, sehr unruhigen Phasen schlafen und meine mich auch zu erinnern, dass es noch andere wenig angenehme Träume gab, von denen mir aber keine Einzelheiten im Gedächtnis geblieben sind, weil ich sie nicht sofort anschließend rekapituliert habe. Zum anderen scheint mir überhaupt Sterben immer realistischer zu werden.
Ich komme in die Küche, wo Eva am Tisch sitzt, aber es wird oder ist stockdunkel. Ich frage sie, was mit dem Licht ist, warum es nicht angeht, und sie antwortet irgendwas, aber mir ist klar: dieses Dunkel ist endgültig.
Ich wache mit schnell klopfendem Herzen und Angst auf.
Details und Assoziationen aus der Phase unmittelbar nach dem Traum:
Die Küche ist nicht unsere Berliner Küche, in der ich meine Mitbewohnerin Eva für gewöhnlich antreffe, sondern die des Hauses meiner Mutter. Obwohl es im Traum dunkel ist, spüre ich das deutlich an der Enge des Raumes (die Küche hier ist sehr groß) und dem Ort ihrer Stimme: während ich in der Flurtür stehe, kommt Evas Stimme vom entfernten Ende des niedrigen Tisches - dem Platz meines (toten) Vaters.
In die Kette der Toten gehört auch Evas Mutter, die vor kurzem erst gestorben ist (Evas letzter Besuch hier hatte mit der Beerdigung zu tun).
Eine zunächst sonderbare, aber sehr schnelle und mächtige Assoziation: Marx' Thesen über Feuerbach.
Wenn ich jetzt darüber nachdenke, fällt mir ein, dass ich im Fernsehen gestern etwas über Marx gehört habe (ein dummer Scherz: der Finanzminister würde wieder Marx lesen usw.). Aber noch gestern Nacht sagte ich mir im halbwachen Zustand: Nein, nicht FeuerBACH, sondern FeuerSTEIN.
Auch das schien kaum Sinn zu ergeben. Als ich weiter darüber nachdachte, fiel mir dann jedoch ein, dass jemand namens Feuerstein das FAKTOTUM von Harald Schmidt war.
Analyse?
Alles weist so klar und umstandlos auf den Tod hin, dass diese mehrfachcodierte Klarheit mir dadurch um so beängstigender erscheint. Auch das einzige etwas rätselhafte Detail ist wohl in diesem Sinne zu verstehen: Die Marx-Assoziation, die mit dem Trauminhalt ohnehin in keiner erkennbaren Beziehung steht, ist nur die Brücke zu dem Wort Faktotum, was als FakTOTum und FAKTotum wiederum die Botschaft enthält.
Der Anlass für den Traum war sicher zum einen physiologisch: Infolge der (Magen-, Darm- und wasweißichnoch-)Infektion, die mich zurzeit weitgehend außer Gefecht setzt, stellte sich in der vergangenen Nacht der beschleunigte Herzschlag wieder ein, der schon früher bei mir festgestellt worden ist und zu dem den Ärzten nichts Rechtes einfällt. Ich konnte danach nur noch in kurzen, sehr unruhigen Phasen schlafen und meine mich auch zu erinnern, dass es noch andere wenig angenehme Träume gab, von denen mir aber keine Einzelheiten im Gedächtnis geblieben sind, weil ich sie nicht sofort anschließend rekapituliert habe. Zum anderen scheint mir überhaupt Sterben immer realistischer zu werden.
wernurwer - 25. Nov, 15:22

Hmm.
Das Physiologische ließe sich als unmittelbare Reaktion begreifen, die sich (Dir etwas) formulieren will, das als „These“ noch verifiziert werden müsste, also erst noch aufgeschoben ist. Das Theater der Personen, der Chor, die beim Artikulieren helfen, wären selber das „Maya“, das Hintergrundgeschiebe der Verdichtung (aus dem der Traum sich virtuos und frei bedient), das (noch) nicht zu durchdringen ist.
Mir fällt noch zweierlei ein:
Erst einmal die aktuelle allgemeine Untergangsstimmung, die etwas Sterbendes, nämlich die famose dumme Ordnung bisher, anspricht.
Und dann Einsteins Diktum: „Ohne Theorie kann nichts beobachtet werden.“
Aber das ist natürlich dann wirklich sehr brav, weil jeder Traum ja genau an dem als These arbeitet, was dem Träumer dann ungenügend formuliert erscheint: Es deutet sich selbst.
Körperschäume
(Ich habe meine Experimente da aufgeben, aber nicht, wegen den zu verdammenden Fremdstoffen – die sich der Körper ja anverwandelt wie bei allem anderen auch -, sondern weil es eben nicht zu vereinbaren ist mit einem gesunden, wenn auch profaneren Leben.)
Und nein, den Körper immer nur als verschlüsselte Sprache begreifen ist wohl auch freudlos, vielleicht gar einengend. Aber Traum bezieht dorther womöglich mehr, als der entzückt taumelnde Geist, ewig selbstbezüglich, sich einzubilden gewohnt ist. Und man entkommt dem Körper ja auch nicht als letzte Referenz. Von daher ist Krankheit – ob mit oder ohne Diagnose – eine ausreichende Herleitung (oder Hinleitung zu neuem Rätsel) selbst. Aber auch als „Erklärte“ stellt sie eigentlich selber wieder eine Frage, zumindest nach dem anderen Zustand, der mit seiner bloßen Differenz etwas eröffnet, das der Geist dann wieder zwanghaft befragt. Entkommt man dem also überhaupt?
Das sich mit dem Innenleben nicht ins Persönliche einschließen ist ein schöner Gedanke. Ich vermute immer mehr, dass alle auch das Intime eigentlich teilen.
Und Freud war natürlich ein Erzähler per se, nicht umsonst seine selber entdeckte Verwandtschaft zu Stifter. Aber als Wissenschaftler traute er seinem ebenbürtigen Talent zur Fiktion wohl nicht. Es hätte der Meta-Erzählung seiner Forschung aber wohl auch noch mehr Schwierigkeiten gemacht.
Und den Befragungen und Interpretationen des Körpers entkommt man natürlich nicht. Aber was mich angeht, lässt sich zumindest (meistens) verhindern, dass sie sich allzusehr verselbständigen und in einen paranoisch-kreativen Strom auflösen. Das hatte ich früher zuweilen, und es ist weder mit Ärzten noch ohne sie besonders spaßig. Ich kann schon verstehen, dass Viele irgendwann bei Heilpraktikern landen, die bei diesem Spiel kooperieren statt mit stoisch-mechanischer Medizinergleichgültigkeit zu wiederholen, dass die Untersuchungen keinen Befund erbracht haben.