Freundschaft und Bücherverbrennen
Ein paar Sätze von Bataille, in denen er schreibt, was für ihn Freundschaft heißt: Betrunken, bittet er einen ebenfalls betrunkenen Freund, ihm eine Passage aus einem Buch, das er dabei hat, laut vorzulesen. Der Freund tut es.
Starke Bejahung und leise Verneinung bei mir: Ja zur Präzision der Szene - das ist eine hervorragende Definition von dem, was Freundschaft ausmacht, gerade auch in den Affekten, die sie hervorruft (es wäre keine gute Definition, wenn sie in mir nicht sofort den Wunsch provozierte, genau darum zu bitten, und das Hochgefühl der Erinnerung weckte, so etwas getan zu haben). Nein zu dem, was das Wort "betrunken" an Konventionen über die Bitte und ihre Erfüllung verhängt - zu der (wird man das verstehen?) heteronormativen Determinierung dieser Betrunkenheit.
Dieses Nein ist auch ein Ja. - Tatsächlich ist der Freund, der mir für diese Szene einfällt, A., der einzige unter meinen männlichen Freunden, der mit vollem Einsatz die heterosexuelle Komödie spielt. In seiner Nähe verstehe ich, was daran Spaß macht und wozu es sie gibt.
Interessanterweise ist die Szene mit A., mir und einem Buch, an die ich mich erinnere, die einer Verbrennung: Kurz vor meiner Abreise nach Japan im März 2000 sind wir durch St. Pauli gezogen und haben uns wirklich besoffen. Damals lag auch Schnee. Und zu Beginn der Tour (noch ohne Alkoholeinfluss) haben wir auf der Talstraße das Exemplar eines Romans von Alexa Hennig von Lange verbrannt, einfach weil das Buch es verdiente. Genauer gesagt, wollte ich es verbrennen und hatte ihn gebeten, mir bei dieser nicht eben politisch korrekten Aktion Beistand zu leisten. Und er hat sein großes männliches Feuerzeug gezückt und es an die Seitenecken gehalten.
Starke Bejahung und leise Verneinung bei mir: Ja zur Präzision der Szene - das ist eine hervorragende Definition von dem, was Freundschaft ausmacht, gerade auch in den Affekten, die sie hervorruft (es wäre keine gute Definition, wenn sie in mir nicht sofort den Wunsch provozierte, genau darum zu bitten, und das Hochgefühl der Erinnerung weckte, so etwas getan zu haben). Nein zu dem, was das Wort "betrunken" an Konventionen über die Bitte und ihre Erfüllung verhängt - zu der (wird man das verstehen?) heteronormativen Determinierung dieser Betrunkenheit.
Dieses Nein ist auch ein Ja. - Tatsächlich ist der Freund, der mir für diese Szene einfällt, A., der einzige unter meinen männlichen Freunden, der mit vollem Einsatz die heterosexuelle Komödie spielt. In seiner Nähe verstehe ich, was daran Spaß macht und wozu es sie gibt.
Interessanterweise ist die Szene mit A., mir und einem Buch, an die ich mich erinnere, die einer Verbrennung: Kurz vor meiner Abreise nach Japan im März 2000 sind wir durch St. Pauli gezogen und haben uns wirklich besoffen. Damals lag auch Schnee. Und zu Beginn der Tour (noch ohne Alkoholeinfluss) haben wir auf der Talstraße das Exemplar eines Romans von Alexa Hennig von Lange verbrannt, einfach weil das Buch es verdiente. Genauer gesagt, wollte ich es verbrennen und hatte ihn gebeten, mir bei dieser nicht eben politisch korrekten Aktion Beistand zu leisten. Und er hat sein großes männliches Feuerzeug gezückt und es an die Seitenecken gehalten.
wernurwer - 6. Jan, 10:58

Heteronormative Betrunkenheit
Witzig aber auch die Koninzidenz:
Letztlich am Papiercontainer (ich hatte meine Tüte schon reingekippt) sortierte ich die Bücher, die jemand freundlicherweise zum Mitnehmen darauf abgelegt hatte, u.a. Bataille, "Das obszöne Werk" (die Rowohltausgabe dnb aus den Siebzigern).
Hinter mir ein Mann, der mich in ein Gespräch zu verwickeln suchte, gepflegt angezogen, in mittleren Jahren. Er hatte sichtlich nichts zu tun, suchte aber auch "freundliche" Zuwendung, suchte Einverständnis. Ich war aber in Eile und nach drei vier Minuten verabschiedete ich mich. Den Bataille nahm ich mit, weil es auf einem der Vorsatzblätter eine "obszöne" Widmung gibt.
(Es stand noch ein Bazon Brock da, "Ästhetik & Vermittlung" oder sowas. Aber abgesehen davon, dass er hundsschwer war, war er auch verjährt, und ich machte darüber eine Bemerkung. Es kam nur Zustimmung von dem anderen. Das fiel mir aber erst nach dem Weggehen auf.)
Mir blieb der Eindruck, dass dieser Mann nicht nur eine Freundlichkeit, sondern irgendein weitergehendes Einverständnis mit jemandem suchte... zumindest für den Moment. Ich kann diesen Eindruck aber nicht weiter begründen.
(Sind Freunde nicht immer solche, mit denen man auch Lust hat sich zu betrinken? So kommt es mir vor.)
Das erwähnte Buch hätte ich, im richtigen Moment, vielleicht auch verbrannt. Mir aber eher die Mühe damit nicht gemacht, sooo unsympathisch ist mir die Autorin. Und wofür gibt es Recyclingcontainer? (Die werden in meinem Stadtteil manchmal nachts angesteckt... von solchen, die laut singend Arm in Arm nach Hause wanken.)
Der zufällige Fund von Batailles "Geschichte des Auges" ist übrigens eine weitere hübsche Korrespondenz zwischen unseren virtuell angenäherten Leben: Ich habe dieselbe Ausgabe mit Vierzehn in der kleinen Filiale der Stadtbibliothek entdeckt, die sich in unserer Straße befand, und das Buch aus genau demselben Grund mitgenommen. Die Konsequenzen, die es auf meine Sexualität (und den Rest) hatte, kann man wohl gar nicht verheerend genug einschätzen.
"die Liebe auf der Schwelle anhalten" - das gefällt mir außerordentlich gut!
Mir fiel aber auch noch ein, dass ich mich schon mit völlig Fremden betrunken habe, auch "in der Fremde" (ob in der Neustadt in Marrakech oder der d-dorfer "Tunnelschänke" im Hauptbahnhof: Fremde Territorien). Ein oder zweimal auch in Situationen, wo mich mein Tourist-Sein schon nicht mehr beschützt hätten. Kann sogar sein, das Vorsätzliche daran hatte etwas von einer "erotischen" Gefahr. Oder einem Erotismus doch, zu dem ich sonst nicht gelange. (Ich finde an Männern fast nichts erotisch, fast nie.)
Bataille hatte ich auch ziemlich früh gelesen (wenn auch nicht so früh)... aber seine "Skandale" leuchteten mir konkret nicht recht ein, bzw. ihre Obszönität vermochte schon nichts gegen meine eigene. Immerhin erlaubte ich mir mit ihm ein bisschen mehr davon zuzulassen, weil ich sie mir "theoretisch" unterfüttern konnte.
Und - das fällt mir ebenso jetzt ein - es gab ein paar mal Tinknächte, wo etwas Bataillsches in der Luft lag... und ein-, zweimal auch zu etwas führte. Leider sind die Erinnerungen da nicht mehr sehr verlässlich...