11
Feb
2009

Der Anfang...wovon?

Meine Schande bestand darin, dass ich dem Handtaschenräuber ein Bein stellte. Der Moderator der Lokalnachrichten bezeichnete mich am selben Abend als "mutigen Bürger". Es geschah am Rand eines Parkplatzes. Ich besitze nicht einmal einen Wagen.

...
en-passant - 11. Feb, 19:52

Das klingt in der Tat nach einem Zwiespalt:

Und zwar zwischen der Verachtung des Unrechts wie dem Unwillen vor der Bevormundung durch die Tugend auch.

Irgendwo dazwischen wäre der Ort der inneren Instanz, die um diese Begriffe endlich nicht mehr weiß. Und aus dem Unlösbaren erlöste einen die Dynamik der Handlung, die unbedacht auch ohne Bedenken ist. Das könnte dann wirklich ein Anfang sein: Vielleicht eines Rechten (Richtigen) ohne Rechtfertigung?

wernurwer - 11. Feb, 22:11

hey, ich hatte dich schon vermisst. warst du im urlaub?

ich bin eigentlich innerlich voller abscheu gegen den beinsteller, wenn auch ohne mich mit dem dieb identifizieren zu können. die vorstellung, dass auch mir das wahrscheinlich als reflex passiert wäre, macht es eher schlimmer. was man 'nur aus reflex' tut, sind oft die schlimmsten sachen - oder jedenfalls die am schwersten erträglichen. ich frage mich, wie eine geschichte enden sollte, deren anfang das wäre.
en-passant - 12. Feb, 18:27

"Herz eines Handtaschenräubers"

Ich hatte ja letztes Jahr eine Handtasche gefunden (hatte auch darüber geschrieben, hab das ganze Jahre 2008 aber mittlerweile gelöscht).

Der Text versuchte die Versuchungen zu umkreisen, der Räuber wie zugleich "der Retter" auch zu sein. (Es war jedoch nachts und es fiuhr auch ein Polizeiauto vorbei, aber... Dass ich wenigstens den riesigen Schlüsselbund hätte zum Fundbüro bringen können, das fiel mir aber erst einen Tag später ein - da hatte die Straßenreinigung alles schon bereinigt.)

Ich hatte dann, fast eher aus Hilflosigkeit, von all den Sachen nur einen Brief mitgenommen, eigentlich nur eine große Seite Geschriebenes, auf den ein paar intime Dinge standen, die mir als das eigentlich Stehlenswerte vorgekommen wären, hätte ich gewusst, dass eine Frau solche Dinge über sich selber sagen kann. (Dieser Brief war in der Geldbörse, Geld war natürlich keines mehr da.)

Ich habe mich dann später länger wie ein / der Dieb gefühlt... und das irgendwie genossen (ich bin sonst fast unfähig zu stehlen). Und zugleich habe ich mich irgendwie "moralisch" im Recht gefühlt, auf eine verdrehte Weise, wegen der Gelegenheit bzw. der Einmaligkeit des Funds aus einem Raub, dessen Zuspätkommer ich war. - Alles insgesamt eine komplizierte Melange aus Empfingungen.

Irgendwie denke ich auch, ich habe aus einem Reflex gehandelt - komme mir deshalb allerdings auch unschuldig vor (obwohl ich es objektiv vielleicht nciht bin?). Keine Ahnung.

Wie gesagt, es bleibt kompliziert.

***

Nein, kein Urlaub. Mich ödet nur ehrlich gesagt dieser Blog-Ort hier an (obwohl er immer noch einer der besseren ist). Nicht das Schreiben, nicht das Format oder die mir möglichen Textsorten - es ist der Ort, obweohl ich mittlerweile ein paar Leser habe / hatte. Ich glaube, ich nehme mal eine längere Auszeit und schreib nur für mich.
wernurwer - 13. Feb, 11:43

Ein Brief mit intimen Dingen in einer Handtasche...wow, da ist ein Hauch Fin de siècle (das vorletzte) in die Gegenwart geweht.

Dass du von Hier angeödet bist, kann ich verstehen. Dafür, dass das die Sphäre sein soll, in der 'es passiert', ist es sicherlich ziemlich lahm. Mir macht das nichts aus, weil ich dieses Tagebuch eigentlich so schreibe, als würde ich in ein kleines Buch schreiben, das ich dann unabgeschlossen in eine Schublade lege - und wenn überraschend jemand auftaucht und kommentiert, freue ich mich, ohne darauf zu spekulieren. Ist aber eben nur ein Tagebuch, das hauptsächlich mir als Erinnerungsstütze für die Erlebnisse und Gedanken dienen soll, die ich sonst schnell vergessen würde. Für einen intensiveren Austausch im Internet wäre sowas wie jetzt.de wahrscheinlich besser geeignet (obwohl es ein bisschen auf jugendlich macht, aber ohne Verpflichtung). Oder tatsächlich 'nur für dich' schreiben - wobei ich es schon schade finde, nichts mehr von dir zu lesen.
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