Schon das erste Ende
Die Mutter meiner Mitbewohnerin ist gestorben. Heute morgen kam E. aus New York zurück. Ich frage mich, wie bald sie nach München weiterfahren wird: Sie hat vorhin mit ihrem Bruder telefoniert, wann die Beerdigung stattfindet; sie wird es also wissen, vielleicht schon eine Verbindung herausgesucht und ihr Bahnticket gekauft haben; jetzt schläft sie nebenan, es ist still.
Ich kenne die Mutter nicht, habe ihre Stimme nur vielleicht zwei oder drei Mal auf dem Anrufbeantworter gehört: ein jammernder, vorweg enttäuschter, vorwurfsvoller Ton. "Sie wollte schon länger nicht mehr leben", hat E. auch heute, als wir uns zur Begrüßung umarmten, gesagt.
Es gibt für mich in dieser Angelegenheit nicht viel zu tun (wäre ich ein "tröstlicher Typ", könnte ich mehr tun - wer weiß). Ich habe das Gefühl, am Rande einer Filmhandlung wie ein Komparse mit einem kurzen Satz aufzutauchen: Die beiden Stationen der Reise, zuerst der Flug, dann ein kurzer Aufenthalt in Berlin, dann mit dem Zug weiter, und zwischen verschiedenen grauen Novemberhimmeln das fast heimelige Dunkel einer Altbauwohnung und darin ein freundliches blasses Gesicht.
Ich überlege, ob ich etwas wie "Ich hoffe, dass meine Mutter noch ein paar Jahrzehnte durchhält" sagen soll, falls wir uns später in der Küche begegnen. Ich suche nach etwas Persönlichem, das unverbindlich genug bleibt, um nichts aufbrechen zu lassen. "Ein paar Jahrzehnte" klingt aber übertrieben, nahezu vermessen. "Ein paar Jahre" dagegen sind beängstigend wenig. Wie viel Leben soll man sich für die eigene Mutter noch wünschen?
Ich kenne die Mutter nicht, habe ihre Stimme nur vielleicht zwei oder drei Mal auf dem Anrufbeantworter gehört: ein jammernder, vorweg enttäuschter, vorwurfsvoller Ton. "Sie wollte schon länger nicht mehr leben", hat E. auch heute, als wir uns zur Begrüßung umarmten, gesagt.
Es gibt für mich in dieser Angelegenheit nicht viel zu tun (wäre ich ein "tröstlicher Typ", könnte ich mehr tun - wer weiß). Ich habe das Gefühl, am Rande einer Filmhandlung wie ein Komparse mit einem kurzen Satz aufzutauchen: Die beiden Stationen der Reise, zuerst der Flug, dann ein kurzer Aufenthalt in Berlin, dann mit dem Zug weiter, und zwischen verschiedenen grauen Novemberhimmeln das fast heimelige Dunkel einer Altbauwohnung und darin ein freundliches blasses Gesicht.
Ich überlege, ob ich etwas wie "Ich hoffe, dass meine Mutter noch ein paar Jahrzehnte durchhält" sagen soll, falls wir uns später in der Küche begegnen. Ich suche nach etwas Persönlichem, das unverbindlich genug bleibt, um nichts aufbrechen zu lassen. "Ein paar Jahrzehnte" klingt aber übertrieben, nahezu vermessen. "Ein paar Jahre" dagegen sind beängstigend wenig. Wie viel Leben soll man sich für die eigene Mutter noch wünschen?
wernurwer - 10. Nov, 13:49
