4
Dez
2008

Allein mit sich und ihrem Film

G., mit der ich drei Jahre zusammen gewohnt habe, stellt gerade einen Kurzfilm über sich selbst fertig.

Der Text dafür stammt aus zahllosen Briefen, die sie über eine Zeit von zwanzig Jahren an drei oder vier Männer geschrieben und die sie niemals abgeschickt hat.

Alle diese Männer gehören zum selben Typ desjenigen, der sich selbst so sehr zum Problem geworden ist, dass er Frauen vor allem als bewundernd-besänftigende Zuschauerinnen seines Leidens, seiner Zerrissenheit und seiner inszenierten Härte gegen sich selbst gebraucht und sonst wenig Verwendung für sie hat (außer gelegentlich als Fußabtreter, Fickmatratze, Mutterersatz oder Sekretärin).

G. ist zurzeit ganz erfüllt von sich und ihrem Film. Sie spricht davon, wie gut es sich anfühle, ihn gemacht zu haben (nach acht Jahren ist das ihr erstes Projekt, das zu einem erfolgreichen Abschluss zu kommen verspricht). Und wo sie nicht von sich und dem Film redet, sagt sie gar nichts. Erkundigt sich mit keinem Wort danach, was ich tue oder wie es bei R. läuft, die sie seit vier Jahren zum ersten Mal wieder sieht. Nickt uninteressiert, wenn wir von uns aus etwas berichten.

Sie hat uns als Zuschauer eingeladen, um den Film im Rohschnitt zu bestaunen. Und will hauptsächlich Bestätigung - fragt zwar nach, aber signalisiert gleichzeitig, dass sie nicht vorhat, etwas zu ändern, oder ihre weiteren Entscheidungen, was die "Feinheiten" betrifft, mit dem, was wir finden, nichts zu tun haben werden.

Nachdem der Film ausdiskutiert ist, entsteht so wirklich Schweigen - eine Situation, die es mit ihr früher nie gab. Ich schaue sie an, und sie grinst und schweigt weiter.

Ich wünsche ihr, dass der Film den therapeutischen Schub bringt, den sie sich zweifellos davon erhofft. Dass er ihr Anerkennung einbringt, die all die Missachtungen zweier Jahrzehnte wenigstens zu einem Teil kompensiert.

Aber irgendwie wirkt sie noch endgültiger allein, wie sie da sitzt und in Gedanken und Gefühlen bei sich und ihrem Film weilt. Und die Vorstellung eines Menschen, der mit sich und einem Film über sich allein ist, erscheint mir noch bedrückender als die von einem einsamen Menschen, der schreibt, ohne einen Leser zu haben.
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